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Donnerstag, 1. Juni 2017

Smart Büro als Schlüssel zu Handwerk 4.0

Kathrin Steidl im Gespräch mit Robert Soppart, Inhaber der Soppart GmbH & Co. KG und Obermeister der Elektro-Innung Passau

Besucher der Soppart GmbH & Co. KG im niederbayerischen Aicha vorm Wald blicken zuerst auf einen anthrazitfarbenen Kubusbau mit Holzverkleidung, einen Brunnen samt meterhoher Wasserfontäne und das große grüne Logo des Spezialisten für ganzheitliche und gewerkübergreifende Gebäudetechnik. Gleich hinter dem Empfangsbereich eröffnet sich ein weitläufiger, heller Ausstellungsraum, in dem der Kunde die Produktpalette sehen und anfassen kann: Von der Wärmepumpe über Photovoltaik und Sanitär bis hin zum intelligenten Zuhause, dem sogenannten Smart Home, bietet Inhaber Robert Soppart seinen Kunden ineinandergreifende Energiesysteme an. Doch nicht nur das Gebäude und die Produktpalette sind auf neuestem Stand, auch die innerbetrieblichen Abläufe sind ganz auf „Handwerk 4.0“ gepolt. Sopparts neueste Errungenschaft: Eine neue Dokumentenmanagement-Software (DMS). Das bündelt alle wichtigen Infos, die für Mitarbeiter sekundenschnell auf dem Tablet-PC erscheinen.

 

Vom kleinen Laden zum Spezialisten für Gebäudetechnik

Doch begonnen hat seine Erfolgsgeschichte viel kleiner: 1999 gründete der Elektrotechnikermeister zunächst ein klassisches Elektrofachgeschäft, verkaufte Waschmaschinen sowie Unterhaltungselektronik und reparierte Fernseher. Heute umfasst das nagelneue Betriebsgelände nahe der Autobahn A3 über 15.000 Quadratmeter. Soppart, der auch Obermeister der Innung für Elektro- und Informationstechnik Passau ist, beschäftigt 41 Mitarbeiter, darunter 8 Azubis. Mit dem Neubau hat er sich einen Traum erfüllt und sich für die Zukunft gerüstet. „Der Kunde will Innovation, das muss ich ihm bieten.“ Als seinen persönlichen Leitspruch, der im Unternehmensdesign sein Büro ziert, hat er ein Zitat Johann Wolfgang von Goethes auserkoren. „Erfolgreich zu sein setzt zwei Dinge voraus: Klare Ziele und den brennenden Wunsch, sie zu erreichen.“ Sein dringlichstes Ziel: „Handwerk 4.0“ in allen Bereichen.

 

Tablet-PC wird eines der wichtigsten Werkzeuge

„Wer innerbetrieblich seinen Laden nicht im Griff hat, kann bei 4.0 nicht mitmachen“, sagt Soppart. Zeitverschlingende Arbeitsschritte könnten dank innovativer digitaler Lösungen viel effizienter gestaltet werden. Das neue DMS beispielsweise bündelt projektbezogene Daten, darunter 3D-Planungen, E-Mails oder Fotos. Mit einem Tabletcompter ausgerüstet kann jeder Mitarbeiter auf die aktuellen Informationen zugreifen – auch von unterwegs. „So können meine Kollegen von der Baustelle aus ihre Bestellung aufgeben“, erklärt er. Mit dem Lager digital vernetzt werden Bestände aufgefüllt, Werkzeuge und Material bestellt und in den Firmensprinter verladen. Auch einen „projektbezogenen Onlineshop“ beinhaltet das System. Dieser zeigt unter anderem an, für welchen Auftrag welche Teile benötigt werden – Fehlbestellungen Fehlanzeige. Zeitersparnis erhofft sich Soppart durch eine neue Spracherkennungssoftware. Anmerkungen zum aktuellen Baustellenablauf werden vom Handwerker ins Tablet gesprochen, im Büro kommt eine schriftliche Notiz an. Ein integriertes Ortungssystem soll eine schnellere Reaktion bei dringenden Kundenanfragen möglich machen. „Wir können dann sehen, welcher Mitarbeiter in der Nähe ist und das übernehmen kann.“ Mit 30.000 Euro war die Investition nicht ganz günstig. Soppart aber ist sich sicher: „Die schönste Bohrmaschine für draußen hilft nichts, wenn man im Büro mit Hammer und Meißel arbeitet.“ Das Ziel sei absolute Transparenz. „Sie ist der Schlüssel zu Handwerk 4.0. und verschafft Zeit für neue Aufträge.“ Als Alltagsbeispiel nennt er die Registrierung von Autoschlüsseln: Diese werden per WLAN-Scanner ein- und ausgebucht. Der letzte Fahrer ist erfasst und das lange Suchen nach verlegten Schlüsseln von gestern. „Genau so funktioniert das mit unseren Werkzeugen.“

 

Markt für Smart Home wird noch größer

Über seine eigene Motivation sagt er: „Ich will was schaffen, mich treibt meine Neugierde an.“ So durchforste er auch nach Feierabend das Internet, immer auf der Suche nach Neuerungen in seinem Handwerk. Einen großen Zukunftsmarkt sehe er in der Sanierung von Bestandsbauten. „Acht von zehn Neubauten werden heute schon mit Smart Home ausgestattet, bei Sanierungen ist aber noch erheblich Luft nach oben.“ Als Obermeister sei es ihm deshalb auch so wichtig, auf dieses Potential aufmerksam zu machen: „Wir müssen den Handwerkern zeigen, vor welchen immensen Chancen wir stehen.“ Sohn Fabian arbeitet im Familienbetrieb mit und rüstet sich ebenfalls für die Zukunft: Aktuell besucht er den Elektro-Meisterkurs in Passau, später will er noch den Kurs zum Installateur- und Heizungsbauermeister anschließen.

Quelle: HWK, Kathrin Steidl
Foto: HWK

Digitales Büro: Inhaber Robert Soppart ist überzeugt, dass sich mit dem neuen Dokumentenmanagementsystem viel Zeit sparen lässt.